Vereinsgeschichte des TSV / Chronik   weiter nach DAMALS

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Vielleicht kann jemand Angaben zur Chronik geben, die nicht übereinstimmen.

Hat vielleicht jemand noch Material für die Chronik und das Heimatmuseum.

Bitte meldet Euch unter :

tsvsteindorf@aol.com

 

Aus der Vereinsgeschichte
Dieter Saalmann
 
Um die Jahrhundertwende wurden in vielen deutschen Städten und Dörfern Sportvereine gegründet. Die meisten dieser Vereine pflegten fast ausschließlich das Geräteturnen. Andere Sportarten wurden von den Turnern abgelehnt und konnten sich nur sehr langsam durchsetzen. Auch in Steindorf waren es Turner, die im Jahre 1905 einen Verein gründeten und ihm den Namen Turnverein Steindorf gaben.
Rückblickend betrachtet, ist es durchaus erstaunlich, dass sich in einem kleinen Dorf wie Steindorf ( die Gemeinde hatte damals ca. 600 Einwohner) junge Männer zusammengeschlossen, um gemeinsam zu turnen. Sie alle hatten körperlich schwer zu arbeiten, ihre Freizeit war knapp bemessen, und trotzdem fanden sie noch Zeit und Kraft für sportliche Aktivitäten. Wie uns die erste Vereinschronik aus dem Jahre 1952 berichtet, stellten sich sogar recht bald sportliche Erfolge ein. Schon zwei Jahre nach der Gründung des Vereins konnte der vom Turnverein Wetzlar geholte Vorturner Robert Köhler seine Steindorfer Riege bei einem Schauturnen vorstellen.
Im Jahre 1911 veranstaltete der Turnverein Steindorf ein Sportfest auf Magdalenhausen. Dabei zeigten nicht nur die Turner des Veranstalters ihr Können. Auch einige umliegende Dörfer hatten ihre Musterriegen entsandt. Die Steindorfer organisierten somit zum ersten Male ein größeres Turnfest, dass über den Rahmen des bis dahin alljährlich stattfindenden Schauturnens hinausging. Ob die Organisatoren sich nun verkalkuliert hatten oder ob Unregelmäßigkeiten aufgedeckt wurden, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Sicher ist nur, dass der Vorstand des Vereins nach dieser Veranstaltung das Vertrauen der aktiven Turner verlor. Sie wählten am 24.Februar 1912 einen Vorstand aus ihren Reihen und nannten den mit dieser Vorstandswahl neu gegründeten Verein Turn-und Spielverein Steindorf.
Die Umbenennung des Vereins lässt möglicherweise einen weiteren Grund für die ein Jahr vorher offen zutage getretenen Auseinandersetzungen im alten Verein erkennen. Die Turnbewegung war stark deutsch-international und konservativ geprägt. Alle Sportarten außer dem Geräteturnen, besonders die sich von England her ausbreitende Spielbewegung, wurden abgelehnt. Es ist durchaus denkbar, dass die jüngeren Mitglieder des Vereisns nicht nur turnen wollten, sondern sich auch für andere Sportarten interessierten. Für diese Überlegung spricht die Tatsache, dass im Januar 1914 der Vorstand durch die Wahl eines Spielwartes erweitert wurde. Von nun anwurde im Verein nicht nur geturnt. Man spielte auch Faustball, Schleuderball und eine Art von Korbball, und auch leichtathletische Übungen wurden immer beliebter.
Dann aber wurden alle weiteren Aktivitäten des jungen Vereins jäh gestoppt. Der erste Weltkrieg brach aus. Viele Turner wurden Soldaten. Wie sehr der Krieg das Vereinsleben und damit auch den Sport lähmte, zeigte das erste Protokollbuch des Vereins. Danach fanden zwischen dem 14.01.1914 und dem 06.09.1919 keine Versammlungen oder Wahlen mehr statt.
Nach dem Kriege kam der Sportbetrieb langsam wieder in Gang. Im Jahre 1920 fand das erste Schauturnen nach dem Kriege statt, und es wurden vereinsinterne Leichtathletikmeisterschaften durchgeführt. Stolze Siege werden aus dem Jahre 1921 gemeldet. Beim leichtathletischen Bezirksturnfest in Grünberg belegten Steindorfer Sportler im Fünfkampf den ersten, dritten und neunten Platz. Bei einem Sportfest in Löhnberg gewannen die Steindorfer sämtliche dort ausgetragenen Konkurrenzen.

 
Trotz dieser Erfolge wollten jedoch einige jüngere Vereinsmitglieder nicht mehr nur laufen, springen und turnen. Auch die bis dahin üblichen Spiele waren für sie reizlos geworden. Sie hatten eine für sie interessantere sportliche Tätigkeit entdeckt: das Fußballspiel. Ihre Begeisterung wurde vom Vorstand allerdings nicht geteilt. Erst nach heftigen Debatten und Auseinandersetzungen wurde der Antrag , die interessierten Mitglieder des Vereins Fußball spielen zu lassen, in geheimer Abstimmung mit knapper Mehrheit angenommen. Der TSV Steindorf trat noch im Jahre 1921 dem Westdeutschen Spielverband bei, und die Fußballgruppe konnte danach an den Meisterschaftsspielen der C-Klasse teilnehmen. Die Spieler hatten es nicht leicht, und sie brauchten viel Ausdauer und Idealismus, um alle Schwierigkeiten zu überwinden. Ihre Geräte, so beschloss der Vorstand, mussten sie selbst bezahlen und instand setzen. Gespielt wurde auf einer Wiese in der Au in der Nähe der heutigen Kläranlage. Die Tore bauten sich einige Spieler nach Feierabend zusammen. Das dazu benötigte Holz war gratis, man fand es in der Erzverladestation in Albshausen, wo die Grubenverwaltung der Firma Harz-Lahn ein Holzlager unterhielt. Einige der noch heute lebenden Gründer der Fußballabteilung können sich allerdings nicht mehr daran erinnern, ob sie gefragt hatten , bevor sie das Holz holten. Trotz aller Eigeninitiative und allem Einsatz aber blieben die Vorbehalte der nicht Fußball spielenden Vereinsmitglieder bestehen. Der Beschluss der Mitgliederversammlung vom 07.04.1923, zwei Jahre nachdem man beschlossen hatte , die Ausübung der neuen Sportart zu dulden, zeigt das recht deutlich. Er lautet:
„Die Fußballgruppe bezahlt ihre Geräte selber. Die Geräte wie die Tore werden durch Heinrich Schmidt instand gesetzt. Der Beitrag beträgt für Spieler unter 17 Jahre 300 Mark, über 17 Jahre 500 Mark. Bei nicht entschuldigt wird eine Strafe von 500 Mark angesetzt. Wer im Sportanzug raucht, wird mit 1000 Mark bestraft.“
Die Höhe der Beiträge ist nur zum Teil durch die im April 1923 bereits deutlich spürbare Inflation zu erklären. Den Fußballern werden besondere Opfer abverlangt, denn in derselben Versammlung werden die Beiträge für nicht Fußball spielende aktive Vereinsmitglieder auf 50 Mark für Erwachsene und 25 Mark für Jugendliche (man nannte sie damals Zöglinge) festgesetzt. Trotz all dieser Widrigkeiten konnte die Fußballabteilung jedoch recht bald beachtliche sportliche Erfolge vorweisen. Schon im Spieljahr 1924/25 wurde der TSV Steindorf Meister der C-Klasse und stieg in die B-Klasse auf. Das Jahr 1924 war nicht nur vom Sportlichen her für die weitere Entwicklung des Vereins von besonderer Bedeutung. Bis dahin waren die Übungsmöglichkeiten für die Aktiven aller Abteilungen in keiner weise zufriedenstellend. In dem Saal der Gastwirtschaft Heiland und in dem davor liegenden Garten wurde geturnt, und auch die Leichtathleten und die Spieler mussten hier üben oder wie die Fußballspieler auf frisch gemähter Wiese oder andere Behelfsplätze ausweichen. Durch die Unterstützung der Gemeinde und unter erheblichen Opfern der Vereinsmitglieder, die viele unbezahlte Arbeitsstunden zu leisten hatten, konnte nach etwa zweijähriger Bauzeit am 17.August 1924 der erste Steindorfer Sportplatz, dort, wo heute das Dorfgemeinschaftshaus und der Kindergarten stehen, festlich eingeweiht werden. Besonders die Fußballer profitierten von dem neuen Sportgelände. Wie bereits erwähnt, stiegen sie ja 1925 in die B-Klasse auf, und 1927 schafften sie den Aufstieg in die A-Klasse. Die Freude über sportliche Erfolge und verbesserte Übungsmöglichkeiten währte jedoch nicht allzu lange. Dem wirtschaftlichen Aufschwung nach der Überwindung der Inflation folgte im Jahre 1929 ein tiefer Sturz. Die durch Spekulanten an der New Yorker Börse ausgelöste Weltwirtschaftskrise zeigte ihre Auswirkungen. Millionen Menschen, darunter auch viele Steindorfer, wurden arbeitslos, ihre Familien gerieten in Not. Auch ein kleiner Sportverein wie der TSV Steindorf spürte die Auswirkungen der Weltpolitik. Es war plötzlich kein Geld mehr da, um die Beiträge an den Westdeutschen Spielverband zu bezahlen. Dem Verein sollte die Spielberechtigung entzogen werden. Nur durch besondere Anstrengungen einiger Mitglieder konnte das zunächst verhindert werden. Das der Spielbetrieb in den Jahren 1933 und 1934 schließlich doch zum Erliegen kam, ist nicht zuletzt auf die wirtschaftliche Not der Zeit zurück zuführen. Die Protokolle der Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen dieser Jahre lassen erkennen, welche finanziellen Opfer notwendig waren und wie viele Beratungen und Besprechungen es bedurfte, um den Spielbetrieb wieder in Gang zu bringen. Die Krise wurde überwunden, die Anstrengungen des Vorstandes und vieler anderer Mitglieder, die auch in schwierigen Zeiten ihrem Verein die Treue gehalten hatten, wurden belohnt. 1937 wurde der TSV Steindorf Meister der A-Klasse und war damit berechtigt, an den Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse teilzunehmen. Zur allgemeinen Überraschung setzten sich die Steindorfer dabei gegen weitaus höher eingeschätzte Gegner durch und schafften den Aufstieg. (In dieser Zeit war die Bezirksliga die zweithöchste deutsche Spielklasse. Nach der Bezirksliga kamen gleich die 12 Gauligen des deutschen Reiches).
Dieser sportliche Erfolg kam zur rechten Zeit, denn im gleichen Jahr wurde der Verein 25 Jahre alt. Am 26., 27. und 28. Juni 1937 wurde das Jubiläum festlich begangen. Drei Tage lang, so hieß es im Wetzlarer Anzeiger damals, stand der TSV „ im Mittelpunkt der Ortsgemeinschaft“. Es wurde dann über feierliche Reden, die Glückwünsche und Geschenke vieler Vereine an den Jubilar, einen großartigen Festzug, sportliche Darbietungen, die Weihe einer Fahne und ein gelungenes Gartenfest bei Festwirt Heiland berichtet. Damit nun aber niemand auf den Gedanken kam, dass ein solches Jubiläum im Jahre 1937 vor allem anderen ein Fest des Sports oder des Sportvereins sein könne, klärte die Zeitung ihre Leser auf: „In 25 Jahren kann sich eine Bewegung von Grund aus so ändern, dass es notwendig erscheint, die mutigen Förderer zu stützen und die Lauen wieder aufzurütteln. Das Leben des Einzelnen ist Kampf, und Kampf ist die Arbeit eines Vereins, getragen von der großen Idee, die alle Sportler vereint. Sie heißt Dienst an Volk und Vaterland. Das sind die Leibesübungen, denen im neuen Deutschland ein Ehrenplatz gesichert ist.“
Die Betonung des Kampfes beim Jubiläum des Turn- und Spielvereins war wohl nicht zufällig. Der zweite Weltkrieg warf seine Schatten voraus. Für den TSV bedeutete das zuerst einmal, dass die Freude über die positive Entwicklung des Vereins und die sportlichen Erfolge nicht lange anhielt. Einige aktiven Spieler wurden bald zum Wehrdienst eingezogen, und die erfolgreiche Mannschaft fiel auseinander. 1939 stieg Steindorf wieder in die A-Klasse ab. Es sollte aber noch viel schlimmer, denn bereits 1940 musste der Spielbetrieb der ersten Mannschaft ganz eingestellt werden. Der Krieg war ausgebrochen, und viele aktive Spieler kämpften nun auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen anstatt auf Fußballfeldern.
Wieder einmal beeinflusste die große Politik das Leben und die Entwicklung des kleinen Sportvereins. Das sich die Zeiten geändert hatten, wird jedoch nicht nur durch den Kommentar des Wetzlarer Anzeigers und durch die Ereignisse der Jahre 1939 und 1940 erkennbar. Die Protokolle des Vereins seit dem Jahre 1933 verraten deutlich, dass der TSV den Gepflogenheiten und Zwänge des „ Tausendjährigen Reiches“ anpassen musste. Aus dem Vorsitzenden wurde der Führer des Vereins. Er wurde nicht mehr gewählt, sondern durch Erheben von den Sitzen ernannt. Auch die Übrigen Vorstandsmitglieder wurden nicht gewählt, sondern bestimmt. Die Versammlungen endeten mit einem „dreifachen Sieg Heil auf unseren Führer Adolf Hitler und die deutsche Sportbewegung“. Wie Ironie hört es sich an, wenn der Führer des Sportvereins die wenigen noch Fußball spielenden Jugendlichen in der Jahreshauptversammlung im Februar 1941 zu mehr Trainingsfleiß auffordert, da „der Führer das Fußballspiel als Volksspiel betrachtet“. Ein Jahr später wurde dann Mädchengruppe des TSV verboten, im HJ-Heim (Anbau an der alten Schule) zu turnen, da Kohlen gespart werden mussten. Nach der Jahreshauptversammlung vom 14.02.1942, in der dieses Turnverbot ausgesprochen wurde , kam das Vereinsleben wegen der immer stärker werdenden Belastung dieser Zeit völlig zum Erliegen.
Viele Mitglieder des TSV wurden ein Opfer des Krieges oder gerieten in Gefangenschaft, und es ist schon erstaunlich, dass bereits fünf Monate nach Kriegsende, am 13.Oktober 1945, wieder eine Mitgliederversammlung stattfand. Es war eine Mitgliederversammlung besonderer Art, denn sie beschloss auf Anweisung der Besatzungsmacht die Auflösung des alten und die Gründung eines neuen Vereins. In den Vorstand durfte nur der gewählt werden, wer nicht Mitglied der NSDAP gewesen war. In Zusammenarbeit mit dem alten Vorstand gelang es schließlich, einen neuen Vorstand zu wählen, und so konnte danach der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden.
Bald stellten sich auch wieder sportliche Erfolge ein. 1948 wurde Steindorf Meister der A-Klasse und stieg damit in die Bezirksliga auf. Nun aber wurde deutlich, dass die Sportanlage nicht mehr den Anforderungen entsprach, und so entschloss man sich, den Platz zu vergrößern. Trotz der schweren wirtschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit wurde der Sportplatz unter großen Anstrengungen vieler Vereinsmitglieder neu hergerichtet. Am 11.09.1949 konnte er eingeweiht werden. Leider hatte sich die erste Mannschaft nicht in der Bezirksliga halten können. Nicht zuletzt durch die Belastungen im Zusammenhang mit dem Sportplatzumbau war der Abstieg nicht zu vermeiden gewesen, und nun musste wieder in der A-Klasse gespielt werden.
Im Jahre 1952 konnte in Steindorf wieder gejubelt werden. Die erste Mannschaft wurde Meister der A-Klasse und verpasste den Wiederaufstieg in die Bezirksklasse nur knapp. Außerdem wurde der Verein 40 Jahre alt, und durch die Feierlichkeiten anlässlich dieses Geburtstages stand der Sportverein einmal mehr im Mittelpunkt des dörflichen Lebens.
Sportliche Erfolge sind nicht zu erzwingen. Sie werden sicherlich oft durch glückliche Umstände begünstigt, jedoch werden sie vor allem durch Trainingsfleiß und durch Idealismus und die Begeisterung der aktiven Sportler und vieler Helfer, die im Hintergrund arbeiten, vorbereitet. Bereits vor dem Kriege erkannte man in Steindorf die Bedeutung der Jugendarbeit für die Zukunft des Vereins, und es fanden sich immer wieder Trainer und Betreuer, die ihr Können, ihre Erfahrung und ihre Freizeit einsetzten, um Kinder und Jugendliche zu trainieren, zu beraten und zu unterstützen. Die Erfolge blieben nicht aus. Es ist hier leider nicht möglich alle Meisterschaften, Turniersiege und gute Plätze der Jugendmannschaften des TSV aufzuführen. Man kann jedoch von den Erfolgen der ersten Mannschaft fast immer auf die vorhergegangene gute Jugendarbeit schließen. So war ein Jahr, bevor der TSV 1937 in die Bezirksliga aufstieg, die Jugend Kreismeister geworden. Auch im Spieljahr 1961/62 konnte die erste Mannschaft von der vorbildlichen Jugendarbeit profitieren. Sie wurde wieder Meister der A-Klasse und stieg in die elfte Amateurliga auf. ( Die Klasseneinteilung war neu organisiert worden, und die Bezirksliga hieß vorübergehend 2. Amateurliga). Zwar stieg der TSV 1963 wieder ab, schaffte jedoch ein Jahr später den Wiederaufstieg in die Bezirksliga und konnte sich dort bis 1968 halten. Das die Fußballer dann von 1968 bis 1983 in der A-Klasse spielten, wobei sie dort häufiger vordere Tabellenplätze erreichten, ist zweifellos auch noch als Erfolg anzusehen, vor allem wenn man berücksichtigt, dass es sich beim TSV Steindorf um einen kleinen Verein handelt, der nicht gerade mit üppigen finanziellen Mitteln ausgestattet ist. Bedauerlich ist allerdings schon, dass die erste Mannschaft seit 1983 in der B-Klasse und seit 1985 sogar in der C-Klasse spielen muss. An der Jugendarbeit alleine können diese sportlichen Misserfolge nicht liegen, denn nach wie vor spielen Jugendmannschaften des TSV in höheren Klassen und erringen dort Meisterschaften und gute Plätze. Auch die Abwerbungspraktiken „reicherer Vereine“ sind wohl nicht ausschließlich dafür verantwortlich zu machen.
Es waren jedoch nicht nur die sportlichen Aktivitäten der Fußballspieler, die den Vorstand und die übrigen Mitglieder des TSV in diesen Jahren beschäftigten. Zunächst wurde 1962 an drei Tagen vom 9. bis 11. Juni das 50jährige Bestehen des Vereins gefeiert. Auch diesmal gelang es, ein glanzvolles Fest zu organisieren, dass den Einwohnern des Dorfes noch lange in Erinnerung blieb. Danach nahm man sich vor, ein Vereinsheim zu bauen.

Die Gewinne, die durch die Jubiläumsfeier erwirtschaftet worden waren, bildeten die finanzielle Grundlage dieses Unternehmens. Trotzdem war das noch eine gewaltige Aufgabe, die sich der Verein da gestellt hatte. Sie hielt ihn vier Jahre lang in Atem und verlangte von vielen Mitgliedern härteste Arbeit, und nicht wenige waren auch bereit, dass Vorhaben durch persönliche finanzielle Opfer zu unterstützen. Am 08.11.1966 konnte das Sportheim schließlich seiner Bestimmung übergeben werden. Mehr als die Hälfte der Bausumme war durch Eigenleistung aufgebracht worden. Gleichzeitig konnte der neue Sportplatz in Betrieb genommen werden.
Die Fußballer, die zunächst nur geduldet waren und seit 1921 mit der ausdrücklichen Billigung des Vereinsvorstandes spielen durften, bestimmten über Jahrzehnte fast ausschließlich das sportliche Leben des Vereins. Dem ersten Versuch, auch Frauen und Mädchen die Möglichkeit zu geben, sich als Mitglieder des TSV sportlich zu betätigen, war, wie bereits berichtet wurde, kein großer Erfolg beschieden. Der Krieg und der dadurch entstandene Kohlenmangel setzten den gutgemeinten Anfängen ein schnelles Ende.
Ein zweiter Versuch, auch den weiblichen Mitgliedern Möglichkeiten zu eröffnen, selbst Sport zu treiben, erfolgte 1952, als eine Damengymnastikgruppe aufgestellt wurde. Auch dieser Verein scheiterte, denn nachdem diese Gruppe anlässlich der Feiern zum 40jährigen Jubiläum aufgetreten war, wurde der Übungsbetrieb wieder eingestellt. Erst der dritte versuch glückte. 1976 wurde eine Damengymnastikgruppe gegründet, die bis heute regelmäßig übt, sich großer Beliebtheit erfreut und das Vereinsleben in erfreulicher Weise bereichert hat.
Auch der Versuch, im Jahre 1952 eine Tischtennisabteilung innerhalb des Vereins zu gründen, schlug zunächst einmal fehl. 1973 versuchten es einige Vereinsmitglieder noch einmal, Übungsmöglichkeiten für Tischtennisspieler zu schaffen, und diesmal war der Versuch erfolgreich. Der Vorstand unterstützte die Bemühungen, und seit September 1978 ist der TSV auch bei offiziellen Wettkämpfen der Tischtennisspieler vertreten.
Eine Volleyballabteilung innerhalb des TSV gibt es seit 1979. An Wettkämpfen nehmen die Volleyballer seit 1983 teil.
Erwähnt werden sollte auch ein Versuch, die Mitglieder des TSV zu (denk) sportlicher Betätigung anzuregen. 1947 wurde eine Schachabteilung gegründet, die sich jedoch leider nicht entwickeln konnte und nicht lange bestand.
Bei der Würdigung all dieser Aktivitäten des Vereins sollte nicht vergessen werden, dass seine Bedeutung für die Menschen, die in dem Dorf bzw. in dem Stadtteilleben, nicht nur von sportlicher Seite her betrachtet werden kann. Durch den Übungsbetrieb und während der Wettkämpfe und Veranstaltungen kommen Menschen, die sich sonst kaum kennenlernten, miteinander ins Gespräch. Besonders in einer Zeit, als die Bevölkerung des Dorfes ständig wuchs und es galt, die vielen Heimatvertriebenen zu integrieren, konnte hier der Verein eine bedeutsame und segensreiche Tätigkeit entfalten. Über seine eigentlichen sportlichen Aufgaben ging der TSV auch hinaus, wenn er immer wieder Dorfsporttage, gemeinsame Wanderungen, Ausflugsfahrten, Familienabende und andere Feiern organisierte. Es fanden sich über viele Jahre hinweg sogar immer wieder Mitglieder des Vereins, die Theater spielten. Diese Laienspieler traten nicht nur in Steindorf auf, sondern auch, wie uns die Chronisten berichten, mit großem Erfolg in anderen Dörfern. Mögen wir heute über Stücke wie „Wenn Muttertränen fließen“, „Das Heidegrab“ oder „Der Tugendheld“ auch lächeln – der Zeitgeschmack hat sich geändert – hier wurde durch den Sportverein auch das kulturelle Leben des Dorfes bereichert. 

 

ENDE